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Bundesverband Bürowirtschaft
27.1.2003
2003: Zeit der Unternehmer - Zeit der Kunden


Wie nahezu die gesamte deutsche Wirtschaft hat auch die Bürowirtschaft das Jahr 2002 mit verringertem Umsatz abgeschlossen. Die PBS-Sparte verzeichnete insgesamt minus 4%, die IT- und Bürotechnik-Sparten liegen bei bis zu minus 5%. Besonders getroffen hat es die Büroeinrichtungs-Händler mit im Durchschnitt minus 20% Umsatz.

Die Konjunktur hat keine positiven Impulse für Umsatz und Gewinn gegeben, weil sich die wirtschaftliche Strukturkrise auch 2002 fortgesetzt hat. Die Wirtschaft versucht weiterhin, auf politischer Ebene notwendige Reformen anzustoßen. Doch es sind keine staatlichen Initiativen zu erkennen. Vor diesem Hintergrund sind unternehmerisches Denken und Handeln gefragt. Es ist die Zeit des Unternehmertums, und für die Unternehmer ist es die Zeit der Kunden.

Kern-Maßnahmen der Unternehmen in der Bürowirtschaft sind Rationalisierung in den eigenen Betrieben, Konzentration auf das Kerngeschäft, Zusammenrücken in Kooperationen, fortschreitende Konsolidierung bei den Globals, aggressives Pricing und mehr Kundenorientierung.

Großhandel
Es gibt circa 4.500 kleine, regionale Fachhändler, die bürowirtschaftliche Produkte im Haupt- oder Nebensortiment führen. Viele dieser Händler kaufen bereits über den Großhandel ein, andere beziehen bislang direkt beim Hersteller. Diese sind das strategische Wachstumspotenzial des Großhandels. Viele Händler suchen jetzt Lieferanten, die Lagerhaltung, Marketing und Direktbelieferung übernehmen. Damit sind sie eine attraktive Zielgruppe für den traditionellen Großhandel, die Genossenschaften, aber auch die Neueinsteiger.

Zu Recht. Spicers ist bereits etabliert, Alka ist „ante portas“. Die Deutsche PBS/Paperware-Gruppe und ihre Gesellschafter haben diese Wachstums-Chance erkannt, und auch die Verbundgruppen sehen in dieser Marktentwicklung Instrumente zur effektiven Kundenbindung. Der Großhandel hat Wachstumspotenzial in einem schrumpfenden Markt.

PBS-Streckenhandel
Das Absatzvolumen des PBS-Streckenhandels ist im Jahr 2002 zurückgegangen auf 4.286 Mio. €. Das entspricht einem Rückgang von 6%. Betrachtet man die Sortimentsbereiche Hardcopy (EDV-Zubehör) und traditioneller Bürobedarf getrennt, stellt man fest, dass der Anteil Hardcopy mit 1.330 Mio. € unverändert ist. Der Umsatz mit traditionellem Bürobedarf ist somit um 7% auf 3.940 Mio. € zurückgegangen.

Der Versandhandel hat seinen Marktanteil ausgebaut. Der Anteil des Fachhandels am Absatzpotenzial ist von 62% auf 61% gesunken. Der BBW sieht im Versandhandel weitere Möglichkeiten zur Umsatzsteigerung. Das von der Öffentlichkeit unbemerkte Ausscheiden kleinerer örtlicher Wettbewerber bringt den verbleibenden Händlern in vielen Einzelfällen eine Umsatzstabilisierung. Es wird sich zeigen, inwieweit die bevorstehenden Aktivitäten von Office-Depot (Viking) und Staples (Guilbert) zu regionalen Marktanteilsverschiebungen führen werden.

Unverändert ist der Trend gewerblicher Kunden, die Bürobedarfsbeschaffung über elektronische Medien neu zu organisieren. Für die Händler bieten die Verbundgruppen und der Großhandel sehr wettbewerbsfähige Instrumente, die einen Vergleich mit den Funktionalitäten der globalen Wettbewerber nicht scheuen müssen. Gerade kleinere Streckenhändler für gewerblichen Bürobedarf nutzen zunehmend die Just-in-time-Belieferungsangebote des Großhandels bis zum Endkunden. Dies verschafft den Unternehmen wieder finanzielle und kalkulatorische Luft im Wettbewerb.

PBS – Privatsortimente
Die PBS-Sortimente für Ladengeschäfte sind in 2002 nicht ganz ungeschoren davon gekommen. Mit 3.420 Mio. € hatten sie aber „nur“ einen Rückgang von 2% zu verzeichnen. Veränderungen ergeben sich in stärkerem Umfang bei den Betriebstypen, die PBS-Sortimente anbieten. Die Anzahl der Einzelhandelsgeschäfte mit PBS-Sortimenten in Vororten, Mittel- und Kleinzentren schmelzen weniger schnell ab als in den Großzentren und 1A-Lagen. In den Großzentren findet der private Verbraucher PBS-Sortimente vermehrt in Kaufhäusern, SB-Betrieben, Franchise-Unternehmen und Discount-Geschäften. In diesen Vertriebsformen sind die PBS-Sortimente attraktive Rendite-Bringer mit entsprechend exponierter Laden- und Regalplatzierung. Gleichzeitig lässt die Entwicklung der Ladenmieten die großen Zentren für selbständige, mittelständische Papeteristen und PBS-Sortimentler wirtschaftlich uninteressant werden, eine Entwicklung, die wohl nicht mehr umkehrbar ist.

Büroeinrichtungen
Das Volumen für Büroeinrichtungen hat sich in 2002 um rund 20% verringert, was einen Rückgang auf 2.734 Mio. € bedeutet. Dies ist ein eklatanter Rückgang, nachdem bereits in 2001 Stagnation, teilweise Rückgang zu verzeichnen waren. Industrie und Handel sind davon unterschiedlich getroffen. Der Handel mit großem Anteil am Breitengeschäft hat zwar in aller Regel auch Rückgänge zu verzeichnen, die sich aber oft nur im einstelligen Bereich bewegen. Händler und Hersteller, die im Objektgeschäft tätig sind, mussten Einbußen zwischen 25% und 30% hinnehmen.

Solange im Bürobereich Arbeitsplätze abgebaut werden, solange werden keine neuen Einrichtungen geplant. „Gespart wird zuerst bei Büromöbeln“, sind die Kommentare aus dem Markt dazu. Ein Abbau des Kapazitätsüberhangs bei den Herstellern würde allen Marktteilnehmern nutzen. Erste Insolvenzen auf Herstellerseite gab es bereits: Voko ist dennoch der einzige Hersteller, mit dem ein nennenswertes Produktionsvolumen „stillgelegt“ wurde. Der Anteil des Fachhandels erhöht sich in der Relation wieder und dürfte nun bei 60% liegen, nach 59% in 2001.

Informationstechnologie (IT)
IT war bisher ein Markt mit Wachstumsgarantie. Nach Mitteilungen des Branchenverbandes BITKOM bzw. der Tochtergesellschaft EITO hat sich das Marktvolumen im IT-Bereich (ohne Telekommunikation) in 2002 um 3% auf 74.800 Mio. € verringert. Daran ist die Hardware-Sparte mit einem Rückgang von 10% auf 30.500 Mio. € beteiligt. Software und Services sind nahezu unverändert. Das Geschäft mit klassischer Bürotechnik hat um 17% auf nunmehr 2.400 Mio. € nachgegeben. Die Umstellung auf Digitalkopierer und der Trend zu Farbdruckern und –kopierern kann jedoch die Auswirkungen entschlossen sparender Verbraucher und die Diskussion um die Abschreibungsfristen sowie die Tatsache, dass einzelne Produkte wie z.B. Frankiermaschinen Ende des Entwicklungszyklus ankommen, nicht auffangen.

Aussichten 2003
Politische Initiativen mit realen Auswirkungen im Markt sind nicht absehbar. Eine grundlegende Änderung der wirtschaftlichen Gesamtlage ist nicht zu erwarten. Die Planungsszenarien der Bürowirtschaft für 2003 basieren deshalb auf folgenden Annahmen: Die Anzahl der Büroarbeitsplätze sinkt weiter, es gibt weniger Neubauten von Bürogebäuden, es gibt einen weiteren Rückgang bei Investitionen in und für Büros, die Sparquote der Verbraucher steigt weiter bei sinkendem Realeinkommen, die Zahl der Einschulungen sinkt.

Das bedeutet für die Unternehmen weitere Zurückhaltung in der Planung für 2003. Umsatzsteigerungen für Kostensteigerungen zu budgetieren wäre sehr riskant.

Der BBW rechnet in allen Segmenten der Branche mit einem weiteren Rückgang. Insgesamt könnte sich das bürowirtschaftliche Marktpotenzial erneut um 2% bis 3% reduzieren. Außerdem lassen die Aktivitäten großer Marktteilnehmer erwarten, dass es ein heftiges Ringen um die Marktanteile geben wird, was zu Preisdruck und noch intensiverer Marktbearbeitung führen wird. Der gewerbliche und auch der private Verbraucher werden vom Verdrängungswettbewerb durch sinkende Preise und noch besseren Service profitieren.

Gerade mittelständische Unternehmer nehmen Basel II und die zu erwartenden strengeren Kriterien bei der Kreditvergabe nicht ernst genug. Dabei richtet sich die Kreditwirtschaft bereits heute unübersehbar auf die neuen Anforderungen in den geforderten Ratings ein. Das mag für den Einzelnen zwar lästig sein. Allerdings fragen Kreditgeber in aller Regel das ab, was der Unternehmer bei ordentlicher Planung und Abrechnung sowieso griffbereit haben müsste.

Erwartungen für 2003
Der Umsatz bei gewerblichem Bürobedarf könnte sich um bis zu 3% reduzieren. Stärker könnte der Handel mit privatem Bürobedarf und Papeterie-Artikeln zurückgehen, auch wenn die Güter des täglichen Bedarfs insgesamt nur wenig rückläufig sind.

Die Büroeinrichtungen werden möglicherweise erneut einen Rückgang von bis zu 5% hinnehmen müssen.

Der IT-Markt wird sich im Saldo von Hardware, Software, Services und Bürotechnik knapp unter Vorjahresniveau fangen können.

Pressefotos von Armin Schröter, Vorsitzender BBW und Thomas Grothkopp, Geschäftsführer BBW, finden Sie unter www.bbw-online.de > News > Pressemitteilungen > Pressefotos.



Download #1 pressekonferenz2003.pdf


Weitere Infos:
Volker Wessels

Bundesverband Bürowirtschaft
Frangenheimstr. 6
50931 Köln
Tel. 0221 / 9 40 83-30
Fax 0221 / 9 40 83-90
bbw@einzelhandel.de
http://www.bbw-online.de

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