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 BVDM
 
 



Bundesverband des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels
13.01.2010
Möbelhandel trotzt der Krise
Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel blickt zufrieden auf das abgelaufene Jahr zurück.

29,7 Mrd. Euro haben die Deutschen im Jahr 2009 für Möbel und Küchen ausgegeben. Hinzu kommen die vom Möbelhandel verkauften Fachsortimente wie Teppiche, Heimtextilien, Tisch- und Küchenaccessoires im Volumen von 6 Mrd. Euro. Gegenüber 2008 konnte die Branche ihren Umsatz trotz Wirtschaftskrise sogar leicht steigern.

Die Möbel- und Küchenbranche ist eine typische, mittelständische Einzelhandelsbranche. Nach wie vor gibt es eine große Bandbreite an Vertriebsformen. Vom Mitnahmemarkt, über das spezialisierte Fachgeschäft bis hin zum großen Wohnkaufhaus - das Angebot ist vielseitig. Dank starker Einkaufsverbände, zu denen rund 80 Prozent aller Handelsbetriebe gehören, können in dieser Branche auch kleinere und mittlere Unternehmen erfolgreich existieren. Nur ein Viertel des Umsatzes macht der SB-Bereich aus, einschließlich des geringfügigen Anteils der branchenfremden Vertriebswege wie Baumärkte. Discount-Verhältnisse wie bei Gütern des täglichen Bedarfs sind bei Möbeln nicht denkbar.

Das Jahr 2009 begann wenig überraschend mit einem Minus. Nach dem Nachfrageeinbruch Anfang 2007 – zurückzuführen auf die Mehrwertsteuererhöhung auf 19 Prozent – gab es Anfang 2008 relativ starke Monate. Ab März 2009 entkoppelte sich der Möbelhandel von der Wirtschaftskrise und konnte im Juli 2009 mit plus 7 Prozent und im Oktober mit plus 4 Prozent seine stärksten Monate verbuchen. Nach der amtlichen Statistik (Destatis) verlor der Möbeleinzelhandel von Januar bis November 0,9 Prozent. Der gesamte Einzelhandel dagegen verlor um rund 2 Prozent.

Brancheninterne Erhebungen zeigen jedoch, dass der deutsche Möbelhandel weitaus besser abgeschnitten hat, als von der amtlichen Statistik erhoben. Die Experten sehen ein Wachstum von 1,5 bis 2 Prozent gegenüber 2008. Sowohl spezialisierte Fachgeschäfte als auch die großen beratungs- und servicestarken Möbel- und Einrichtungshäuser konnten die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Er steht damit deutlich besser da, als die deutsche Möbelindustrie, die große Umsatzverluste im Ausland erleiden musste und im Wettbewerb zu einer steigenden Importquote steht. Auch das Segment der Büro- und Objektausstattung, das von der Einzelhandelsstatistik nicht erfasst ist, hat sich mit einem zweistelligen Umsatzrückgang auseinander zu setzen.

Für BVDM-Präsident Hans Strothoff steht fest, dass der deutsche Möbelhandel unerwartet gut abgeschnitten hat und zu den Gewinnern gehört: „Beim Wettbewerb um das verfügbare Einkommen der Kunden hat er Marktanteile gewonnen. Bemerkenswert ist dies, weil die Branche komplett ohne staatliche Unterstützung arbeitet.“ Im Gegenteil, sie stehe im Wettbewerb privater Investitionen zur Automobilbranche, die mit milliardenschwerer staatlicher Subvention einen Zulassungsrekord feiern konnte und Kaufkraft abgezogen hat, die im Bereich Möbel, Küchen und Elektrogeräte nicht ausgegeben wurde. Dafür, dass sich die Einrichtungsbranche trotz dieser Belastungen so gut behaupten konnte, gibt es fünf Gründe:

1. In unsicheren Zeiten, in denen das Einkommen durch Kurzarbeit, Abbau von Überstunden und Zulagen, Kürzung von Weihnachtsgeld und Entlassungen sinkt, rückt die Privatsphäre in den Vordergrund des Interesses. Statt in den Kauf von Immobilien zu investieren, wird umgebaut und erweitert, es wird renoviert und Neues für die Wohnung und das Haus angeschafft.

2. In Zeiten, in den Banken einen großen Vertrauensverlust hinnehmen mussten und in Zeiten historisch niedriger Zinsen, investieren immer mehr Konsumenten ihr Erspartes in langlebige Konsumgüter statt in Anlageprodukte der Banken.

3. Der Möbelhandel hat es - gemeinsam mit den Garten- und Baumärkten – erreicht, dass der Außenbereich, also Balkon und Garten, immer stärker an Bedeutung gewinnt. Eine zunehmende Angebotsvielfalt an Gartenmöbeln und –accessoires, Schirmen und vor allem Grillgeräten lockt die Kunden. Zudem ist das Angebot an Pflanzen und Gartenaccessoires weit attraktiver als in früheren Jahren.

4. Der vierte Grund liegt in den hohen Marketinginvestitionen. In den letzten Jahren haben sich die Werbeausgaben der Handelsunternehmen deutlich erhöht. Insbesondere Mitnahmemärkte und Einrichtungshäuser setzen auf Beilagen- und Funkwerbung. Gleichzeitig werden immer neue Ideen der Kundenansprache entwickelt. Auch Direktmarketing-Maßnahmen, wie zum Beispiel Mailings, werden zunehmend eingesetzt.

5. Der deutsche Möbelhandel hat in den letzten Jahren stark in die Beratungsqualität der Mitarbeiter, den Kundenservice und die Präsentation ihrer Produkte investiert. Kunden fühlen sich im Möbelhaus wohl, lassen sich dort inspirieren und kaufen dort gerne. Die persönliche Beratung hat einen hohen Stellenwert. Der beste Preis ist für mehr als die Hälfte der Konsumenten nicht das ausschlaggebende Kaufkriterium. Serviceleistungen, wie die fachgerechte Montage oder der Finanzierungsservice, werden immer wichtiger.

Betrachtet man die Sortimentsbereiche, so sind Küchenmöbel mit 28 Prozent Umsatzanteil nach wie vor die stärkste Warengruppe, gefolgt von Polstermöbeln mit 18 Prozent sowie Schlaf- und Wohnzimmern mit jeweils 12 Prozent. Dass spezialisierte Fachgeschäfte sich in einem hart umkämpften Markt gut behaupten können, zeigt die Tatsache, dass 41 Prozent des Küchenabsatzes über Küchenspezialhäuser und Küchenfachmärkte erfolgt.

Zur Möbel-, Küchen- und Einrichtungsbran¬che im engeren Sinn zählt Destatis rund 9.400 Un¬ternehmen, was einem geringfügigen Rückgang durch Geschäftsaufgaben inkl. Insolvenzen von ca. 2 Prozent entspricht. Demnach ist die Zahl der Beschäftigten im Einrichtungshandel leicht um 1,2 Prozent auf 101.500 gesunken. Im gesamten deutschen Einzelhandel, in dem rund 2,7 Mio. Menschen beschäftigt sind (davon rund 1,4 Mio. in Vollzeit), stehen derzeit ca. 110.000 junge Leute in einem Ausbildungsverhältnis. Darin ist der neue, vom BVDM und dem Verband der Möbelspediteure initiierte Beruf der Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice noch nicht enthalten, für den im Startjahr 2006 sowie in den beiden Folgejahren insgesamt 1.550 Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden. Für 2009 liegen noch keine Zahlen vor. Es ist davon auszugehen, dass die Vorjahreswerte im Schnitt wieder erreicht wurden. Diese positive Tendenz lässt sich auch an der Zahl der Betriebswirtschaftsstudenten an der Fachschule des Möbelhandels in Köln ablesen, wofür der neue duale Studiengang als Erfolgsmodell vom Start weg verantwortlich zeichnet.

Die Erwartungen für das Jahr 2010 – das mit der Branchenleitmesse imm cologne öffentlichkeitsstark beginnt – orientieren sich an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und dem Einkommensverlauf. Zwar gibt es steuerliche Erleichterungen zum Jahresbeginn, die gut kommuniziert sind und sich spürbar in den Gehaltsabrechnungen niederschlagen. Doch dürften sie schnell durch die Preiserhöhung öffentlicher Leistungen aufgezehrt sein. Erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai wird damit gerechnet, dass in der Politik Realismus einkehrt. Diese Wahrheiten dürften bereits das 2. Halbjahr belasten, in dem zwischen September und November die Umsatzspitze der Branche liegt. Wenn zum Jahresende 2010 der Umsatz des Vorjahres erzielt werden kann, ist es eine gute Leistung des Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels.



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Weitere Infos:
Thomas Grothkopp

Bundesverband des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels
Frangenheimstr. 6
50931 Köln
Tel. 0221 / 940 83-40
Fax 0221 / 940 83-90
thomas.grothkopp@einzelhandel.de
http://www.moebelhandel.org

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