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 BVDM
 
 



Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM)
08.01.2020
Konjunktur im Möbelhandel uneinheitlich
Das Jahr 2019 glich einer Berg- und Talfahrt

Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel hat im Jahr 2019 den Umsatz des Vorjahrs um rund 4 Prozent übertroffen und liegt mit 34,2 Milliarden Euro Jahresbruttoumsatz auf hohem Niveau. Dies ergibt sich aus Hochrechnungen auf Basis der ersten zehn Monate 2019 nach Werten des statistischen Bundesamtes. Für 2020 erwartet der Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) eine stabile Nachfrage.

Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind für den Handel gut: Die Beschäftigungsquote ist auf Rekordniveau, das verfügbare Einkommen steigt, die Neubautätigkeit befindet sich auf hohem Niveau. Doch der Umsatzverlauf der Branche stellt sich unein-heitlicher denn je dar.

Dahinter stehen globale Trends im Handel, die alle Vertriebsformen herausfordern: Das Informations- und Einkaufsverhalten wird in Deutschland immer hybrider. Bislang galt die Annahme, dass sich die Kaufkraft immer mehr in die Peripherie der Städte verlagert, dorthin, wo die großen Möbelmärkte und Möbeldiscounter ange-siedelt sind. So es sich nicht um Möbelhäuser, Autohändler und Baumärkte handelt, von denen keine Integration in Siedlungsgebiete verlangt wird, würden Einkaufszentren die Konsumenten anziehen. Heute gibt es eine klare Präferenz jüngerer Käuferschichten zu hippen Standorten in florierenden Städten. Selbst für Möbel und Küchen muss es eine Erreichbarkeit ohne Auto geben, verbunden mit der Zustellung der Ware. Erst wenige Unternehmen der Branche haben darauf eine Antwort. Der europäische Marktführer steuert sein Geschäftsmodell deutlich um. Er sucht keine neuen, großformatigen Standorte mehr. Er geht mit kleineren Einheiten zu den Menschen in die Städte. Was der Kunde nicht bequem mitnehmen kann, wird ihm nach Hause geliefert. Das spart teure innerstädtische Logistikfläche und führt zu einer ganz neuen Kalkulation.

Hinzu kommt, dass es schwierig geworden ist, die zunehmende Kaufkraft der Bevölkerung auf die Branche zu lenken. Die Einrichtungswirtschaft hat einen harten Konkurrenten bekommen: Die Entwicklung der Wohnkosten. Die ungesunde Steigerung der Kauf- und Mietpreise für Wohnungen und Häuser, die Kostensteigerungen bei Strom, Gas und Wasser, die hohen Grunderwerbssteuern binden Kaufkraft, die in Möbel und Küchen nicht investiert werden kann. Darüber hinaus sinkt die Bereitschaft zum Umzug, denn jeder neue Kauf- und Mietvertrag ist mit schmerzhaften Mehrkosten verbunden. Wo weniger Wohnungen neu bezogen werden, wird weniger für eine neue Einrichtung ausgegeben.

Wenn die amtliche Statistik einen Umsatzgewinn von vier Prozent ausweist, sind es die Umsätze des „Einzelhandels mit überwiegend Wohnbedarf“. Der Handelsverband Möbel und Küchen geht davon aus, dass hier Randsortimente, die bislang über andere Branchen vertrieben wurden, eine zunehmende Rolle spielen, sowie Dienstleistungsumsätze, denen Beratungs- und Serviceleistungen gegenüberstehen. Während die Volumenvermarkter im Jahr 2019 vielfach über Umsatzrückgänge und leerstehende Häuser klagten, konnten die mittelständischen Fachhändler eher positive Entwicklungen melden.

Gleichwohl sind Möbel und Küchen Produkte, die grundsätzlich stationär gekauft werden. Niemand käme auf die Idee, sich eine Auswahl von Möbeln liefern zu lassen, um sie - wie Bekleidung - größtenteils zurück zu schicken. Daher geht der BVDM von nur zehn Prozent reinem Onlineanteil aus. Wobei durch die zunehmende digitale Präsenz von Möbelkonzernen eine Abgrenzung zwischen stationärem Geschäft und Distanzhandel nur schwer möglich ist. Das Medium des Kaufabschlusses – im Geschäft oder online oder in Kombination beider - kann für eine Abgrenzung nicht mehr herangezogen werden.

Für den Handel sind digitale Angebote insbesondere dort interessant, wo Wohnräume und Küchen virtuell dargestellt werden, Produkte ganz konkret in diese Welten positioniert und mit unterschiedlichen Farben und Materialien gezeigt werden. Hier gibt es immer mehr Unternehmen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten mit Augmented Reality, der computergestützten Wahrnehmungserweiterung, in die Öffentlichkeit begeben haben. Der BVDM sieht dies als attraktive Ergänzung zur persönlichen Beratung, die das Vorstellungsvermögen unterstützt.

Möbel- und Küchenbranche ist generell mittelständisch geprägt

Die Möbel- und Küchenbranche ist eine generell mittelständisch geprägte Einzelhandelsbranche, auch wenn die Konzentration fortschreitet und vor allem Großunternehmen wachsen, wie die jüngsten Übernahmen gezeigt haben. Der Anteil der Familienunternehmen oder solcher Unternehmen, wo Familien das Kapital in Stiftungen überführt haben, ist hoch. Das Engagement von Kapitalinvestoren im Handel ist unterproportional, an der Börse spielt der Möbelhandel kaum eine Rolle.

Dies liegt vor allem an der Stärke der Einkaufsverbände, in denen mehr als 80 Prozent aller Handelsbetriebe mit mehr als 60 Prozent des Branchenumsatzes organisiert sind. Dazu zählen mittlerweile fast alle in Deutschland und Österreich marktführenden Unternehmen. Hinzu kommt eine Konsolidierung unter den Verbundgruppen, wo auch die traditionelle Trennung zwischen Möbelhäusern, Vollsortiment und spezialisierten Küchenhändlern immer stärker überwunden wird. Derzeit fügt sich der Möbel- und Küchenhandel zu neuen Verbundgruppenkonstellationen und zerbricht traditionelle Strukturen.

Der Flächenzuwachs hat sich im vergangenen Jahr weiter abgeschwächt: Es wird weniger neu gebaut, es werden häufiger bestehende Standorte und Flächen übernommen. Insgesamt verfügt der deutsche Möbelhandel über rund 23 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Hiervon werden über 6 Millionen Quadratmeter – das ist ein Viertel der Fläche - von 170 Häusern mit mehr als 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betrieben.

Stationärer Handel steigt auf Online ein

Der Online-Handel mit Möbeln gewinnt weiter an Bedeutung. Gut 3,5 Milliarden Euro brutto, also zehn Prozent des Gesamtumsatzes, wurden 2019 mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen erwirtschaftet. Hierbei beteiligen sich inzwischen auch zunehmend klassische stationäre Händler, die bislang der Online-Pure-Playern weitgehend das Feld überlassen hatten.

Hilfreich ist, dass der Gesetzgeber von der Notwendigkeit des neuen Berufs „E-Commerce-Kaufmanns/frau“ überzeugt werden konnte, in dem seit August 2018 ausgebildet wird. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat gemeinsam mit weiteren Trägern der beruflichen Bildung die Ausbildung ausgearbeitet und die Unternehmen deutschlandweit in Veranstaltungen der Kammern und Verbände informiert. Auch der Möbel- und Küchenhandel beteiligt sich an der Ausbildung und bildet eine steigende Zahl junger Menschen zu E-Commerce-Kaufleuten aus.

Boxspringbetten weiterhin Megatrend

Betrachtet man die Sortimentsbereiche, so sind Küchenmöbel mit 26 Prozent Umsatzanteil die stärkste Warengruppe. Zweitgrößte Warengruppe sind die Polstermöbel mit 22 Prozent, gefolgt von den Schlafzimmermöbeln mit 13 Prozent, wobei Boxspringbetten unverändert Verkaufsschlager - allerdings zu Lasten der sonstigen Schlafzimmermöbel - sind. Wohnzimmermöbel runden das Bild mit elf Prozent Umsatzanteil ab.

Klassifizierung und Standardisierung dringend notwendig

Schnell zeigt sich, dass die Herausforderungen der Logistik nicht ohne eine weitere Klassifizierung und Standardisierung von Möbeln und Küchen zu meistern sind. Beim Verein eClass wird daher bereits mit Hochdruck an einem Klassifizierungssystem für Möbel, Küchen und seit 2019 auch für den Fachsortimentsbereich gearbeitet, welches erleichtert, Möbel und Einrichtungen in elektronischen Systemen umfassend zu beschreiben und so der Logistik und dem Online-Vertrieb den Weg zu bereiten.

8.500 Unternehmen mit 100.000 Beschäftigten

Zur Möbel-, Küchen- und Einrichtungsbranche im engeren Sinn zählt das statistische Bundesamt 8.500 Unternehmen mit 100.000 Beschäftigten. Im gesamten deutschen Einzelhandel, in dem rund 2,7 Millionen Menschen - davon 1,4 Millionen in Vollzeit - beschäftigt sind, stehen derzeit 110.000 junge Leute in einem Ausbildungsverhältnis.

Aus- und Weiterbildung an der Fachschule des Möbelhandels

Die Branche benötigt gut qualifizierte Fachkräfte in allen Bereichen, da Möbel und Küchen beratungsintensive Produkte sind. Deshalb setzt sich der BVDM für die Ausbildung des Branchennachwuchses ein und unterstützt als ideeller Träger die Fachschule des Möbelhandels (Möfa) in Köln-Lindenthal. Seit mehr als 80 Jahren werden an der Fachschule des Möbelhandels junge Menschen für eine Tätigkeit in der Möbelbranche qualifiziert. Die Zahl der Absolventen liegt inzwischen weit über 20.000. Die Absolventen der Fachschule, die zugleich Berufskolleg für die Betriebe im Rheinland ist, sind sehr gefragt und haben beste Berufschancen.

Positive Erwartungen für das Jahr 2020

Die Rahmenbedingungen für das Jahr 2020 sind grundsätzlich gut. Von Januar bis Oktober 2019 wurde in Deutschland der Bau von 289.700 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das genauso viele Baugenehmigungen wie im Vorjahreszeitraum. Der Wohlstand in Deutschland erlaubt es vielen Menschen, wertige Möbel zu kaufen, auf Nachhaltigkeit und natürliche Materialien zu setzen. Dahinter steht die Überzeugung, dass Langlebigkeit die Umwelt weniger belastet und ein schneller Austausch billiger Einrichtungsgegenstände.

Die imm cologne prägt die Branche und stärkt die Stellung der Deutschen Möbel- und Einrichtungsbranche

Der deutsche Möbelhandel baut auf die imm cologne. Er rechnet durch die Messe mit positiven Ausstrahleffekten auf die Nachfrage. Möbel und Einrichten rücken in der dritten Januarwoche traditionell verstärkt in den Fokus der Medien und ganz besonders der Menschen im Rheinland. Der Stellenwert von schönem Wohnen bekommt dadurch qualitative und quantitative Impulse.

Der deutsche Möbelhandel wird sich den genannten Herausforderungen stellen. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren in ihre Ausstellungen und die Qualität ihrer Mitarbeiter investiert. Die Möbelkäufer bekommen erstklassige Ware zu besten Preisen in kundenfreundlichem Ambiente mit Erlebnischarakter und werden von gut ausgebildeten Mitarbeitern beraten. Innerhalb des europäischen Möbelhandels nimmt der deutsche Möbelhandel daher zu Recht eine Spitzenstellung ein. Der BVDM auf der imm cologne 2020, 13. – 19.01.2020 mit einem Stand auf dem Messeboulevard, Stand B 09, gegenüber Halle 4 mit folgenden Partnern: • Fachschule des Möbelhandels (Möfa) • Sachverständigenrat beim BVDM • Interseroh Dienstleistungs-GmbH • Gesellschaft für Personaldienstleistungen mbH • Thaddäus Rohrer Unternehmensberatung • IWOfurn Service GmbH Am Donnerstag, 16. Januar 2020 findet von 18.00 bis 20.00 Uhr am BVDM-Stand der BVDM-Treff als abendliches Get-together der Mitglieder und Partner des BVDM sowie der Absolventen, Dozenten und Studierenden der Möfa statt, zu dem BVDM und Koelnmesse herzlich einladen.



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Beschreibung: Porträt Thomas Grothkopp


Weitere Infos:
André Frederick Kunz

Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM)
Frangenheimstr. 6
50931 Köln
Tel. 0221/940 83-51
Fax 0221/940 83-90
andre.kunz@einzelhandel.de
http://www.moebelhandel.org

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